Kürzlich hatte ich aufgrund von "nicht genauem nach den Zügen schauen" einen längeren Aufenthalt auf einem bös kleinen Bahnhof. Glücklicherweise setzte sich Herr Tiedemann, dessen Namen ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußte, neben mich. Auch das gücklicherweise war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. So empfand ich zunächst den Impuls zu gehen, denn Herr Tiedemann hatte einen spürbaren Eigengeruch und kaum noch Zähne und ich dachte mir: oh nee, auf olle Saufgeschichten haste jetzt echt kein Bock.

Ich blieb aber sitzen. Und das war gut so, denn Herr Tiedemann erzählte mir etwa 1 Stunde lang seine Lebensgeschichte, bzw. Teile davon. So erzählte er mir von seiner Zeit in der Fremdenlegion, von seiner Zeit in Afrika und im Libanon, von seinem Großvater und dessen Verhältnis zu Zigeunern, von seiner Kindheit in den Barracken und und und. Besonders gut gefiehl mir die Geschichte, dass er einmal völlig betrunken in den Kölner Dom zur Messe gegangen sei, und dort als der "Pfarrer mal still war" seine Mundharmonika ausgepackt hat und Spiel mir das Lied vom Tod zum besten gegeben habe. Danach sei er von drei Männern hochkantig rausgeschmissen worden.

Ich fand die Geschichten herrlich, auch wenn mir die fehle Konsistenz und die deutlichen Widersprüche in seinen Erzählungen durchaus auffielen. Kurz bevor der Zug eintraf, meinte Herr Tiedemann noch, dass er schon hier und da etwas geflunkert und dazugedichtet habe, den Fantasie sei sehr wichtig. Da stimmte ich im voll und ganz zu.

Im Nachhinein erinnerte mich die Begegnung mit Herrn Tiedemann sehr an den hervoragenden Film Big Fish, der eben genau diese fantasivolle Anreicherung der eigenen Lebensgeschichte inn den Blick nimmt.

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